Ich wollte keinen Tee. Keinen Kakao. Kein Sprudelwasser. Kein Hühnchen mit Kartoffeln, Möhren und Aufbackbrötchen. Keinen Schokoladenkuchen. Nicht, weil ich all diese Sachen nicht mag. Ich wollte sie nicht, weil ich ganz einfach ‚full‘ war. Zu deutsch ’satt‘ war. Diese vier Worte sollten eigentlich für jeden Menschen sowas wie ein „Stopschild“ sein. Für Michelle bedeutet das aber sowas wie „grüne Ampel“. Da kann noch so oft gesagt werden, dass alle (Juls, Elaine und ich) reichlich in Cork gegessen haben. Wir waren nämlich mit Baby Oisin dort und aßen unser Mittagessen bei „Ginos“: es gab Garlic bread, Pizza, Eis, Tee und Cappuccino. Michelle hat es aber nicht verstanden oder wollte es nicht verstehen – es wurden trotzdem zwei Teller fertig gemacht und uns vor die Nase gestellt. Mich hat’s einfach nur angenervt. Es ist anstregend – nicht nur ständig „no thanks“ zu sagen sondern auch mit anzusehen, wie hier mit Essen umgegangen wird. Das ist ja grundsätzlich nichts neues im Hause Duggan. Neu ist aber mein Bezug zu Lebensmitteln. Denn ich habe selbst mit erlebt, dass Nahrungsmittel nicht für jeden Menschen auf dieser Erde selbstverständlich sind. Selbstverständlich ist hier aber wiederum, dass unglaubliche Mengen gekocht, (auf)gebacken, gelagert und am Ende doch weggeschmissen werden. Früher habe ich das wahrgenommen, aber es hat mir nicht viel bedeutet. Heute sehe ich viele Menschen vor meinem innerlichen Auge, die dieses zu viel gekochte Essen gut vertragen können. Da treffen gerade zwei Extreme aufeinander und ich hänge irgendwo dazwischen, dass ist nicht ganz so leicht.
In Cork hatten wir eine gute Zeit. Juls und ich waren sehr froh darüber, dass Elaine uns gestern schon gefragt hat, ob wir nicht mitkommen wollten. Es ist schließlich Winter und ich hatte keine Winterjacke. Nur meine Windjacke. Die ist aber bei Minusgraden doch etwas zu frisch. Also habe ich mir eine gekauft. Danach war ich pleite … 😀 aber ich hatte zum Glück meine Sparkassenkarte dabei – ich bin mal gespannt, wie viel mir das Geldabheben bei der AIB Bank gekostet hat… In einem Spielzeuggeschäft habe ich für die Kids noch eine Kleinigkeit gekauft. Vor Afrika hatte ich keinen Nerv dafür, letzten Donnerstag noch weniger – da hat es sich doch mehr als angeboten, dieses Vorhaben heute erledigt zu haben. Elaine war sehr großzügig und hat alle Ausgaben für’s Essen bezahlt.
James und Cahli waren heute den ganzen Tag in Dublin, weil sie sich ein Match angesehen haben. Beide haben es zum Geburtstag geschenkt bekommen. Zur Erinnerung: James hat am 31.10. Geburtstag. Cahli am 05.12. Seinen Kindergeburtstag feiert er am 02.12. im Schwimmbad. Eine Geburtstagkarte habe ich schon geöffnet in der Küche stehen sehen. Was ich eigentlich damit sagen will: hier wird immer noch schön vorgefeiert.
Nachdem die O’Regans nach Hause gegangen sind, habe ich erstmal die Küche aufgeräumt… die sah nämlich aus wie ein Schlachtfeld… auch nichts neues. Danach war ich relativ kalt duschen. Das war aber nicht sonderlich schlimm, denn ich konnte mich danach vor’m Kamin aufwärmen. Haaaach, dat is immer wieder schön! Paar Afrika-Bilder habe ich Michelle gezeigt. Nachdem ich alles sicher verstaut hatte (man muss schließlich immer noch seine Sachen vor umfallenden Getränken hüten) habe ich es mir auf der Couch bequem gemacht. Da ist mir erstmal aufgefallen, wie gemütlich diese war! Bzw. ist mir bewusst geworden, dass ich in Afrika quasi nur auf dem Boden saß, oder auf einem Sofa, wo das dünne Schaumstoffkissen eher nur für’s Auge war – letztendlich saß man doch nur auf dem harten Holz. Wie auch immer, Michelle hat mich wieder x mal gefragt, ob ich nicht a) hot chocolate b) Guinness c) rot/weiß Wein d) Sprudelwasser oder e) Tee haben wollte. x mal habe ich verneint. Kurze Zeit später hatte ich einen Kakao auf dem Schoß stehen.
„Klein“ Brini und ich haben uns den ganzen Abend eine Couch geteilt. Ich hab die Fußteile hochklappen lassen und mich hingelegt. Briani hat sich zu mir gelegt. Wir sind beide eingeschlafen. Ich habe die Zeit sehr genossen – ich liebe diesen Jungen.
Hi, mein Schatz,
dieses ständige Nachfragen würde mich auch nerven Sie meint es bestimmt gut, aber zu viel des Guten ist bekanntlich nicht gut 🙁 Was hälst du davon, wenn du dich nächstes Mal direkt für ein Getränk entscheidest, was sie dir angeboten hat, auch wenn du nicht durstig bist. Vllt hast du dann sofort Ruhe und sie fragt nicht mehr nach.
-1° habt ihr! Wir haben ca. 11° und es ist ziemlich windig. Frag mal Juls, ob ihre Winterjacke bei diesen Temperaturen gut wärmt Sie hat nämlich die gleiche Jacke wie ich, nur in einer anderen Farbe.
Genieße noch die paar Stunden in Irland und stell die Ohren auf Durchzug, wenn Michelle gebetsmühlenartig wieder nachfragt.Ich freue mich schon auf heute Abend.
Guten Flug!